08.01.2019

Projektlaufzeit

01.01.2018 - 31.12.2019

Projektart

Verbundforschungsprojekt

Projektstatus

Laufend

Kurzbeschreibung

Weiterbildung von polnischen Fachkräften zur Sanierung umweltgeschädigter Glasmalereien und nachhaltige Maßnahmen zur Rettung gefährdeter Farbverglasungen von hohem Wert

Ort

Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM)
Unter den Eichen 87
12205 Berlin

Weiterbildung von polnischen Fachkräften zur Sanierung umweltgeschädigter Glasmalereien und nachhaltige Maßnahmen zur Rettung gefährdeter Farbverglasungen von hohem Wert

Liebfrauenkirche Liegnitz, Fensterdetail, Werkstatt Linnemann

Liebfrauenkirche Liegnitz, Fensterdetail, Werkstatt Linnemann

Quelle: BAM, Fachbereich Kunst- und Kulturgutanalyse

Das DBU-Projekt hat die Fortbildung polnischer Fachkräfte zur Sanierung umweltgeschädigter Glasmalereien zum Inhalt und ist eng verzahnt mit praktischen Arbeiten zum Schutz dieser Glasmalereien in drei Kirchen in Polen. Zur Untersuchung des Bestandes, der Entwicklung von Restaurierungskonzepten und der Überprüfung der Wirksamkeit der Maßnahmen sind naturwissenschaftliche Vor- und Begleituntersuchungen notwendig, die in Kooperation mit der Universität Bamberg durchgeführt werden. Das Ziel besteht darin, ein nachhaltiges Konzept zu erarbeiten, um den weiteren Zerfall und einen möglichen Totalverlust dieser einmaligen Kunstwerke aus dem Mittelalter, dem beginnenden 20. Jh. sowie aus den 1940er Jahren zu verhindern.

Konstruktive Schutzkonzepte, das restauratorische Fachwissen und Know-how der Experten für den Schutz historischer Glasmalereien sollen durch Weitebildungsmaßnahmen innerhalb des Vorhabens polnischen Fachleuten und Studenten vermittelt werden.

Gegenstand

Die farbigen Wappenscheiben in der Dorfkirche von Koszewko haben fortgeschrittene Korrosionsschäden mit Malschichtverlusten, Glas- u. Bleibrüchen. Eine fachgerechte isothermisch wirkende Schutzverglasung fehlt. Die erst vor kurzem entdeckten mittelalterlichen Glasmalereifragmente sind in Polen von besonderem Wert, da sich dort nur wenige Verglasungen aus dem Mittelalter erhalten haben.
Die Evangelischen Liebfrauenkirche in Legnica (Liegnitz) zählt zu den ältesten Sakralkirchen in Niederschlesien und wurde 1203 zum ersten Mal erwähnt. In der Kirche befinden sich 14 Fenster mit Glasmalereien, die 1905/06 gestiftet und von bekannten deutschen Werkstätten hergestellt wurden (wie z.B. Franke, Naumburg; Müller, Quedlinburg; Geiges, Freiburg; Oetken, Oldenburg; Linnemann, Frankfurt/M). Die Glasmalereifenster sind bisher nicht durch Außenschutzverglasungen geschützt, so dass alle Umwelteinflüsse direkt auf die Originalverglasung einwirken können und infolge von Glasbrüchen und Fehlstellen auch auf die Malschichten der Innenseiten gelangen.
Eines der bedeutendsten Ausstattungsstücke in der katholischen Pfarrkirche Maria Himmelfahrt in Oswiecim (Auschwitz) ist die Glasmalerei in der Kapelle des gekreuzigten Christus mit der Darstellung des heiligen Märtyrers Andreas Bobola (1591 – 1657), eines polnischen Jesuiten. Den Entwurf für die Glasmalerei fertigte der Auschwitzer Künstler Adam Giebułtowski im Jahre 1940. Die Ausführung erfolgte in Werkstatt Müller in Quedlinburg. Die farbigen Gläser zeigen heute starke Craquelèschäden.

Methoden

Die Schadensphänomene sowohl an der Farbverglasung des Mittelalters als auch an den Verglasungen des 18. bis 20. Jahrhunderts werden mit naturwissenschaftlichen Methoden (Lichtmikroskopie und Rasterelektronenmikroskopie) untersucht. Die Analysen von charakteristischen Glasproben mit Hilfe der energiedispersiven Röntgenanalytik (EDX) im Elektronenmikroskop liefert eine exakte chemische Zusammensetzung. Mit Hilfe einer vorhandenen Datenbank lassen sich die Glastypen genau bestimmen. Die elektronenmikroskopischen Abbildungen erlauben Rückschlüsse zur Morphologie der untersuchten Glasproben und geben Hinweise auf Mikrorisse und Craqueléschäden. Im Rahmen des Projektes sollen ausgewählte Felder des Glasmalereizyklus vor Ort in der Glasmalereiwerkstatt mit Hilfe der 3D-Weißlicht-Streifenprojektion detailgetreu dreidimensional erfasst werden. Ziel dieses berührungslosen 3D-Scans ist es, sowohl Schäden als auch die Veränderung der Oberfläche durch die Abnahme von Schmutz und Korrosionsschichten zu dokumentieren. Daher erfolgen die 3D-Scans jeweils vor und nach der Restaurierung.
Für alle drei Objekte stellt die nach den Richtlinien des CVMA zu installierende Außenschutzverglasung die wichtigste Konservierungsmaßnahme für einen nachhaltigen Schutz der Originalsubstanz dar. Mit Hilfe von Klimamessungen an den jeweiligen Fenstern kann das Schädigungspotenzial der Umgebungsbedingungen abgeschätzt und die Wirksamkeit der durchgeführten Maßnahmen evaluiert werden.

Förderung

Finanziert werden die Arbeiten durch die Deutsch-Polnische Stiftung Kulturpflege und Denkmalschutz (DPS) in Görlitz mit Mitteln der Beauftragten der deutschen Bundesregierung für Kultur und Medien und die flankierenden naturwissenschaftlichen Untersuchungen von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt in Osnabrück mit der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) in Berlin als Maßnahmenträger.