10.08.2016

Projektlaufzeit

01.02.2008 - 31.08.2008

Projektart

Interdisziplinäres Projekt

Projektstatus

Geschlossen

Kurzbeschreibung

Naturwissenschaftliche Untersuchungen zur Restaurierung der historischen Glasmalereien des St. Pauliklosters in Brandenburg / Havel

Ort

Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) Zweiggelände Adlershof
Richard-Willstätter-Straße 11
12489 Berlin

Gegenstand

Die zu einem Bibelfenster gehörenden Scheiben des Chorscheitelfensters sind um 1330/40 entstanden und enthalten Ergänzungen aus Restaurierungen von 1868. Mittelalterliche Gläser lassen sich von denen des 19. Jahrhunderts deutlich unterscheiden, da die charakteristische Glaszusammensetzungen für diese Epochen aus zahlreichen Untersuchungen bekannt sind. Die Darstellungen auf den Fenstern sind, typisch für die mittelalterliche Glasmalerei, mit Schwarzlot erfolgt. Sie zeigen, je nach Herstellungsqualität und der Einwirkung von Umwelteinflüssen, einen unterschiedlichen Erhaltungszustand. Ausgehend von naturwissenschaftlich-technischen Untersuchungen erfolgte eine Schadensanalyse, um ein Restaurierungskonzept zu entwickeln, das einen langfristigen Schutz und Erhalt der historischen Glasmalereien garantiert.

Methode

Mit Hilfe moderner Analysentechnik (Infrarotspektroskopie, Röntgendiffraktometrie) ist die Bestimmung der kristallinen Zusammensetzung von Oberflächenablagerungen und Verwitterungsschichten auf den Glasmalereien möglich, ebenso können Materialien aus vergangenen Restaurierungsepochen identifiziert werden.

Resultat

Als ein Schadensphänomen wurden Risse in Glasoberflächen festgestellt, die oftmals auch nur unter dem Mikroskop sichtbar waren. Das auch als Craquelé bezeichnete Schadensbild auf historischen Gläsern ist durch die Ausbildung eines feinen Rissnetzes auf der Oberfläche bzw. im Glasinneren charakterisiert.. Solche Schadensbilder sind häufig an Gläsern des 18. und 19. Jahrhunderts zu beobachten. Diese Gläser sind aufgrund ihrer speziellen chemischen Zusammensetzung gegenüber Feuchtigkeitseinwirkungen sehr empfindlich und die Entstehung von Rissen ist im Zusammenhang mit der Glaskorrosion zu beobachten. Wenn keine konservierenden Maßnahmen ergriffen werden, setzt sich das Risswachstum ungehindert fort. Die Risse laufen durch das kompakte Glas, es entstehen Glassprünge, die letztendlich zum Totalverlust des betroffenen Glassegmentes führen können.

Für die Sicherung von craquelierten Gläsern können Festigungsmittel eingesetzt werden, die gut in die Risse eindringen und so eine Haftverbindung zu beiden Seiten der getrennten Flächen wieder herstellen. Bei der Auswahl der Festigungsvarianten wurden die guten Erfahrungen mit der Anwendung von Paraloid B72 in der Restaurierungspraxis berücksichtigt und Untersuchungen zum Eindringvermögen von unterschiedlichen Paraloid-Lösungsmittelgemischen in die Risse von craquelierten Glasoberflächen durchgeführt.

Das Eindringen des mit Fettrot eingefärbten Festigungsmittels in die Risse ist unter dem Lichtmikroskop und auch am Querschnitt im Elektronenmikroskop (ESEM) deutlich sichtbar. Mit dieser Methode lässt sich nachweisen, dass das Festigungsmittel auch in Risse eindringt, deren Breite bei ca. 1 µm liegt.

Partner

Bundesanstalt für Materialforschung und –prüfung (BAM)
Atelier Ilona Berkei, Zeuthen

Publikation

Manfred Torge, Ines Feldmann, I. Berkei “ Naturwissenschaftliche Untersuchungen an Malschichten der mittelalterlichen Glasmalereien des St. Pauli Klosters in Brandenburg/Havel“. Metalla S. 134-136, Deutsches Bergbau-Museum Bochum 2019