11.08.2016

Projektlaufzeit

01.07.2011 - 30.06.2019

Projektart

Interdisziplinäres Projekt

Projektstatus

Laufend

Kurzbeschreibung

Projekt „Sonderforschungsbereich 950. Manuskriptkulturen in Asien, Afrika und Europa: Wissenschaftliches Serviceprojekt Materialwissenschaftliche Methoden zur Rekonstruktion der Geschichte von Manuskripten“

Ort

Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM)
Unter den Eichen 87
12205 Berlin

Naturwissenschaftliche Untersuchung an Manuskript

Untersuchung historischer Manuskripte mit naturwissenschaftlichen Methoden

Quelle: UHH

Sonderforschungsbereich 950 - Manuskriptkulturen in Asien, Afrika und Europa

Wissenschaftliches Serviceprojekt Materialwissenschaftliche Methoden zur Rekonstruktion der Geschichte von Manuskripten

Seit Jahrtausenden geben Menschen ihr Wissen in Form von Schriftgut an ihre Nachkommen weiter. Manuskripte bilden einen bedeutenden Anteil am kulturhistorischen Erbe der unterschiedlichsten Kulturkreise der Menschheit. Die Fragen nach dem Verfasser, dem Alter, der Herkunft sowie vorhandener Korrekturen und Nachträge sind von großem Interesse. Diese sind oft nicht alleine durch literatur- bzw. musikwissenschaftliche Methoden zu beantworten, so dass zusätzliche naturwissenschaftliche Untersuchungen notwendig werden. Darüber hinaus ist oftmals eine chemische Charakterisierung des historischen Materials erforderlich, um Restaurierungs- oder Konservierungskonzepte zu erstellen.

Nach seiner Herstellung unterliegt jedes Manuskript unterschiedlichsten Umwelteinflüssen (Gebrauch, Lagerung, Alterung, Restaurierung, Konservierung), dies gilt gerade bei solchen aus dem Altertum oder dem Mittelalter. Der methodische Ansatz zur materialtechnologischen Analyse basiert daher auf der Annahme, dass verschiedene zeitliche Stadien erkennbare Spuren auf Manuskripten hinterlassen, die sich im Laufe der Zeit akkumulieren).

Ziel

Kulturhistorischer Fragestellungen nach Alter, Provenienz, Korrekturen, Ergänzungen, etc. zielen zumeist auf die zentralen Schichten „Herstellung“ und „Gebrauch“. Die Materialanalyse stellt jedoch eine Momentaufnahme dar, die das gesamte System betrachtet. Für die gezielte Beantwortung spezieller Fragen ist daher die „Trennung“ dieser Schichten notwendig. Insbesondere ist zu untersuchen, ob durch Alterung und Konservierung das originale Material soweit verändert wurde, so dass herstellungsbedingte Spuren nicht mehr erkennbar sind. Die Entwicklung einer Methodologie, die es erlaubt, die Schichten zu trennen, ist die naturwissenschaftliche Grundlage des Serviceprojekts.

Methoden

Die erfolgreiche Etablierung des mobilen Labors ermöglicht die Unterstützung der kulturwissenschaftlichen Forschungsvorhaben innerhalb des SFB 950 „Manuskriptkulturen in Asien Afrika und Europa“. Für die Untersuchungen werden unterschiedliche zerstörungsfreie Methoden (NDT) aus den Bereichen der Mikroskopie, der Elementanalyse und der chemischen Analyse eingesetzt. Voraussetzung für diese Methodologie ist eine geeignete Materialanalyse von Manuskripten. Hier hat sich eine Kombination verschiedener Techniken bewährt. Grundsätzlich ist hier den zerstörungsfreien Analysetechniken den Vorzug zu geben, da die zu untersuchenden Objekte Unikate sind und sich eine Probenenentnahme verbietet. Weitere Voraussetzung für die Untersuchung kostbarer und fragiler Stücke sind mobile Verfahren.
Als Techniken werden bildgebende Verfahren (Multispectral Imaging, Mikroskopie), Röntgenmethoden und schwingungsspektroskopische Methoden verwendet. Bildgebende Verfahren ermöglichen die Digitalisierung des Manuskripts, die Kartierung der Objektoberfläche und die Festlegung repräsentativer Messpunkte oder -bereiche. Die Anwendung röntgenographischer Methoden (RFA) liefert die elementare Zusammensetzung des Probenmaterials. Schwingungs-spektroskopische Untersuchungen (Raman-Spektroskopie) sind notwendig zur Bestimmung der chemischen Zusammensetzung. Da die Objekte aufgrund von Korrosion und Restaurierung keine homogene Zusammensetzung aufweisen, ist eine hohe Ortsauflösung zur Beantwortung bestimmter Fragestellungen hilfreich.

Förderung

Deutsche Forschungsgemeinschaft

Kooperationspartner

Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM)
Universität Hamburg

Publikationen

I. Rabin, R. Schütz, A. Kohl, T. Wolff, R. Tagle, S. Pentzien, O. Hahn, and S. Emmel, “Identification and classification of historical writing inks in spectroscopy: a methodological overview”, Comparative Oriental Manuscript Studies (COMSt) Newsletter 3, 2012, 25-30

I. Rabin, M. Binetti und O. Hahn, „Tintenarten in mittelalterlichen hebräischen Manuskripten: eine typologische Studie / Inks used in medieval Hebrew manuscripts: a typological study“, Manuscript cultures, 6 (2014), 119-131.

D. Nosnitsin, E. Kindzorra, O. Hahn, and I. Rabin, “A "study manuscript" from Qäqäma (Tagray, Ethiopia): Attempts at ink and parchment analysis”, in: Comparative oriental manuscript studies newsletter, COMSt (2014), 28-31.

O. Hahn, E. Kindzorra, and I. Rabin, “Study of manuscripts: natural scientist’s approach”, Newsletter, manuscript cultures 5 (2015), 103-115.

O. Almogi, E. Kindzorra, O. Hahn, and I. Rabin, “Inks, pigments, paper: in quest of unveiling the history of the production of a tibetan buddhist manuscript collection from the tibetan-nepalese borderlands”, Journal of the international association of buddhist studies 36/37 (2015), 93-118.

M. Delhey, E. Kindzorra, O. Hahn and I. Rabin, “Material analysis of sanskrit palm-leaf manuscripts preserved in Nepal”, Journal of the international association of buddhist studies 36/37 (2015), 119-152.