11.08.2016

Projektlaufzeit

01.02.2007 - 30.11.2009

Projektart

Interdisziplinäres Projekt

Projektstatus

Geschlossen

Kurzbeschreibung

Reduzierung der Quecksilberemission an historischen Quecksilberspiegeln

Ort

Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM)
Unter den Eichen 87
12205 Berlin

Mit der Einführung des Spiegelgussverfahrens in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts in Frankreich (Cremer 1922, Bronk et al. 1999) konnten größere Spiegelflächen als bisher produziert werden. Aus dieser Entwicklung ergaben sich neue Möglichkeiten, den Spiegel als Element in der Innenarchitektur und Raumkunst dieser Zeit einzusetzen. Es entstanden die prunkvollen Spiegelkabinette und –säle des Barock.

Quecksilberspiegel mit blinden Stellen

Quecksilberspiegel mit Schäden

Quelle: BAM

Die sogenannten Quecksilberspiegel bestehen aus Zinn-Amalgam-beschichteten Gläsern. Die Schäden sind insbesondere am Amalgam zu beobachten. Das Amalgam korrodiert oder löst sich vom Glas, die ursprüngliche Verspiegelung wird blind, es entstehen Fehlstellen oder Verfärbungen. Diese Phänomene verursachen eine starke Beeinträchtigung des ursprünglichen Eindrucks und eine Bestandsgefährdung der Spiegel. Die Korrosionsphänomene sind insbesondere in der Materialauswahl und der Herstellungstechnik der Spiegel begründet. Die Umwandlung des Zinns in eine oxidische Phase beginnt an der Außenseite und setzt sich unter Zerstörung der Amalgamschicht bis auf die Glasoberfläche fort. Das Quecksilber löst sich aus dem Amalgam in flüssiger und in Dampfform. Normalerweise liegt die Amalgamschicht auf der Spiegelrückseite frei. Es gibt auch Rückseiten, die zum Schutz vor mechanischer Beschädigung mit Wollstoffen hinterlegt wurden. In beiden Fällen kann freigesetztes Quecksilber ungehindert abdampfen und die Umgebung kontaminieren. Daher befinden sich Quecksilbertröpfchen oftmals in Spiegelrahmen oder hinter den Fußleisten sowie Quecksilberdampf in der Raumluft. Eine gesundheitliche Gefährdung von Personen, die längere Zeit diesen Spiegeln ausgesetzt sind, ist zu befürchten.

Ziel

Durch die Entwicklung eines Rückseitenschutzes für historische Spiegel sollte die Quecksilberemission verringert werden. Dies geschieht zum Schutz des Museumspersonals und der Besucher sowie auch zum Schutz anderer Kulturgüter (Raumausstattung, Rahmen) die durch die Quecksilberdämpfe geschädigt werden können. Gleichzeitig soll ein langfristiger Schutz und Konservierung des Spiegels erreicht werden. Die gewonnenen Ergebnisse sollten in die Restaurierungspraxis überführt werden

Ergebnisse

Die Ergebnisse des Vorhabens lassen sich folgendermaßen zusammenfassen:

Untersuchung der Amalgam-Morphologie im Hinblick auf die Korrosionsprozesse
Entwicklung eines Messverfahrens zur Bestimmung der Quecksilberemission
Möglichkeiten der Emissionsminderung:

  • Hinterlegung des Spiegels mit Quecksilber adsorbierenden Materialen
  • Glas-Hinterlegung des Spiegels
  • Hinterlegung des Spiegels mit Polymerfolie.

Überführung in die Restaurierungspraxis

Förderung

Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen „Otto von Guericke“ (AiF)

Kooperationspartner

Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), Berlin
Glasmalerei Peters GmbH, Paderborn
Ateliers voor monumentenzorg en artistieke projecten, Lier, Belgien

Publikationen

H. Bronk et al., „Das Merseburger Spiegelkabinett“, in: Restauro 7 (1999), 506-509.

F. Cremer, „Die Fabrikation der Silber- und Quecksilber-Spiegel oder Das Belegen der Spiegel auf chemischem und mechanischem Wege.“ Hartlebens Verlag, Wien – Leipzig, 1922.

M. Torge, S. Krug, M. Bücker, I. Feldmann, H. Scharf, H. Witthuhn und C. Sander, „Flüchtiges Quecksilber - Emission von Quecksilber aus historischen Zinnamalgamspiegeln“, Restauro 3 (2012), 30-37.