11.08.2016

Projektlaufzeit

01.09.2011 - 30.08.2012

Projektart

Interdisziplinäres Projekt

Projektstatus

Geschlossen

Kurzbeschreibung

Albrecht Dürers frühe Federzeichnungen. Nichtdestruktive Werkstoffanalyse der Tinten.
Dokumentation der Wasserzeichen.

Ort

Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM)
Unter den Eichen 87
12205 Berlin

Nichtdestruktive Werkstoffanalyse der Tinten
Dokumentation der Wasserzeichen

 Albrecht Dürer: Landsknecht

Albrecht Dürer: Landsknecht. Germanisches Nationalmuseum, Graphische Sammlung Hz 5133.

Quelle: Germanisches Nationalmuseum Nürnberg

Unter den hunderten Handzeichnungen, die von Albrecht Dürer überliefert sind, gibt es zahlreiche Blätter mit kontroverser Interpretation ihrer Entstehungsumstände. Hilfreich bei der Lösung solcher Authentizitätsfragen scheinen die bei Dürer recht häufigen Signaturen – sein berühmtes „AD“ - oder weitere handschriftliche Angaben in der Zeichnung, wie z.B. Angaben des Entstehungsjahres. Allerdings stehen solche Beischriften oft unter dem Verdacht, von Dürer erst nachträglich oder gar von fremder Hand aufgeschrieben worden zu sein. Ähnlich offen diskutiert sind zeichnungsimmanente, oft mit bloßem Auge unterscheidbare Korrekturen und Ergänzungen im Zeichnungsbild, wozu etwa Nachzüge des Konturs oder Einrahmungen zählen. Wie bei den Signaturen stellt sich die Frage, ob solche „Optimierungen“ von Dürer gleichzeitig mit der ursprünglichen Anlage der Zeichnung, oder erst später, als er das Blatt wieder zur Hand nahm, oder gar viel später von anderer, jüngerer Hand herstammen.

Ziel

Schlüsselargumente zur Bewertung solcher Beschriftungen und Korrekturen, Ergänzungen und Serienproduktionen bietet die naturwissenschaftliche Analyse der dabei verwendeten Tinten. Generell spricht deren Einheitlichkeit für die Gleichzeitigkeit der Zeichnungs- und Beschriftungspartien, eine Differenz hingegen für ein nachträgliches, späteres Aufbringen oder Ergänzen. Mit der Mikro-Röntgenfluoreszenzanalyse stand ein erprobtes Analyseverfahren zur Verfügung, die Homogenität und Differenzen von Eisengallustinten in historischen Schriftdokumenten oder Künstlerzeichnungen zu ermitteln.

Methoden

Das Projekt untersuchte etwa fünfzig Frühwerkszeichungen Albrecht Dürers auf die Konsistenz oder Differenz der darin verwendeten flüssigen Zeichen- und Schreibmittel. Viele Bild- und Textpartien der berühmten Blätter sind umstritten als „eigenhändig“, „nachträglich“ oder „von fremder Hand“ bewertet, bis hin zum Fälschungsverdacht kompletter Zeichnungen oder ihrer Signaturen und Beischriften. Zur Lösung dieser traditionellen wie aktuellen Kontroversen über das spontane oder prozesshaft-langwierige Zustandekommen der Zeichnungen und ihrer Beischriften erbrachte das Projekt handfeste neue kunsttechnologische Argumente. Angewandt wurde die Mikro-RFA Analyse, mittels derer sich zunächst Rußtuschen von Eisengallustinten unterscheiden und sodann verschiedene, möglicherweise in einer Zeichnung vorliegende Eisengallustinten mittels des „Fingerprints“ ihrer individuellen Zusammensetzung differenziert werden können. Ergänzend unterstütze wo möglich eine Wasserzeichenerfassung den kunsttechnologischen Befund.

Ergebnisse

Relativ häufig wurden verschiedene Zeichnungs- und Beschreibmedien in ein und derselben Dürerzeichnung ermittelt. Dürer ließ bei der alltäglichen Wahl seiner Tinte/Tusche offensichtlich keine so strenge Sorgfalt walten, wie es die kennerschaftliche Kunstgeschichte gern annahm und pflegte nachträglich mit zeitlichem Abstand Blätter erheblichen Teils zu überarbeiten.

Andererseits fanden sich auch besonders homogen gezeichnete Blätter, darunter das „Frauenbad“ in Bremen (Rußtusche, samt Signatur und Datierung), der Hamburger „Tod des Orpheus“ (Eisengallustinte, allerdings mit differenter Tinte von Datierung und Signatur), sowie die sogar blattübergreifenden homogenen Tinten der beiden „Studien nach Stichen Andrea Mantegnas“ in der Wiener Albertina. Ebenso ergaben sich Übereinstimmungen der Tinten von doppelseitig mit Zeichnungen versehenen Blättern. Der junge Dürer scheint in solchen Recto-Verso-Kombinationen -- oftmals ganz unterschiedlicher Bildthematik -- also auch inhaltliche Aussagen etwa über seine vielseitige Virtuosität gemacht zu haben.

Begleitend entwickelt wurden Perspektiven für eine systematische Wasserzeichenerfassung, die unter Benutzung moderner, www-basierter Recherchedatenbanken eine teils feinere, teils im Zeitraumangaben seriösere Angabe vormals pauschal unternommener Blattverwendungs-datierungen gewährt.

Förderung

Deutsche Forschungsgemeinschaft

Kooperationspartner

Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM)
Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg

Publikationen

I. Brahms, G. Dietz, T. Eser, and O. Hahn, “Art and Science: Analysing Dürer’s early pen and ink drawings”, in: The Young Dürer. Drawing the Figure, edited by Stephanie Buck and Stephanie Porras, exhibition catalogue, The Courtauld Gallery, London (Paul Holberton Publishing) 2013, 89-105.

Iris Brahms, Georg Dietz, Georg Josef Dietz, Kate Edmondson, Oliver Hahn, Joanna Kosek, Hannah Singer: Art and Science: Analysing Dürer’s early pen-and-ink drawings. In: The Young Dürer: Drawing the figure. Ausst. Kat. hrsg. v. Stefanie Buck. Courtauld Institute London. London 2013, 88-105

I. Brahms, G. Dietz, T. Eser, and O. Hahn, “Dürer’s Early Master Drawings: A Technical Analysis of his Inks and Papers”, Paper Conservation (2013), 5-13.

I. Brahms, G. Dietz, T. Eser und O. Hahn: Albrecht Dürers frühe Federzeichnungen. Nichtdestruktive Werkstoffanalyse der Tinten. Dokumentation der Wasserzeichen. Online-Datenbank (permanente URL: http://duerer.gnm.de/tintenwiki)