05.03.2021
Dr. rer. nat. Floris Akkerman, Referat Ökodesign und Energieverbrauchskennzeichnung der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM)

Dr. rer. nat. Floris Akkerman, Referat Ökodesign und Energieverbrauchskennzeichnung der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM)

Quelle: BAM

Ein Interview zum Weltenergiespartag

Der 5. März ist Weltenergiespartag. Seit 1992 macht dieser Aktionstag darauf aufmerksam, dass die Nachfrage an Energie weltweit steigt und dadurch gleichzeitig die Umweltschäden dramatisch zunehmen und der Klimawandel rasch voranschreitet.

Energieeffizienz ist wichtig für den Klimaschutz und die Energiewende. Sie wird in Europa zu einem erheblichen Teil durch eine zielbewusste Ökodesign- und Energieverbrauchskennzeichnungspolitik erreicht. Beide Maßnahmen zielen darauf, nicht-energieeffiziente Produkte vom Markt zu verdrängen (Ökodesign) und gleichzeitig die Verbraucherinnen und Verbraucher zu ermutigen, die energieeffizientesten Produkte zu kaufen (Verbrauchskennzeichnung). Seit dem 1. März gibt es einige Neuerungen: das EU-Energielabel und die dafür von der BAM entwickelte App. Ein Gespräch mit Floris Akkerman, Leiter des Referats Ökodesign und Energieverbrauchskennzeichnung an der BAM.

Zum 1. März hat sich das EU-Energielabel für die ersten Produkte geändert. Was ist der Grund dafür?

Seit mehr als 20 Jahren gibt es in der Europäischen Union das Energielabel: die bunten Etiketten mit der bekannten Farbskala von grün nach rot und den Effizienzklassen A+++ bis G. Das Label war für die Industrie in den vergangenen Jahren ein Anreiz, Geräte mit immer niedrigerem Energiebedarf zu entwickeln und eine Erfolgsgeschichte. So sind heute beispielsweise Waschmaschinen mit einem Energiebedarf von weniger als 100 Kilowattstunden pro Jahr erhältlich. Vor 20 Jahren waren 300 Kilowattstunden pro Jahr durchaus üblich.

Doch der Unterschied im Energieverbrauch zwischen den Plusklassen war für die Verbraucherinnen und Verbraucher zuletzt nicht mehr klar erkennbar. Daher hat die EU-Kommission die technischen Anforderungen für die Energieeffizienzklassen überarbeitet. Die Plusklassen fallen nun weg, und die Effizienzklasse A soll zum Zeitpunkt der Einführung der neuen Skala oder eines Labels für eine vorher nicht erfasste Produktgruppe frei bleiben. War bisher ein Produkt mit der Effizienzklasse A+++ gekennzeichnet, kann es nun der Klasse B oder auch niedriger zugeordnet sein. Die Energieeffizienz und andere Eigenschaften des einzelnen Produktes bleiben natürlich unverändert. So schafft das neue EU-Energielabel frische Anreize bei der Industrie, den Energiebedarf für energiebetriebene Produkte weiter zu senken. Und für die Verbraucherinnen und Verbraucher bleibt es weiterhin ein verlässliches Instrument zum Produktvergleich hinsichtlich energierelevanter und weiterer Eigenschaften wie Geräuschemissionen, Fassungsvermögen oder Wasserverbrauch.

Energielabel App

Das alte und das neue Energielabel

Quelle: BMWi

Welches sind die ersten Produkte, die umgestellt werden?

Haushaltskühlgeräte inklusive Weinlagerschränke, Waschmaschinen, Waschtrockner, Geschirrspüler und elektronische Displays inklusive Fernsehgeräte sind die ersten Produktgruppen, die seit dem 1. März 2021 mit dem neuen Label gekennzeichnet werden müssen. Die Umstellung für diese Produktgruppen muss am 18. März 2021 beendet sein. Nur während dieser Zeit sind beide Labels, also das alte und das neue, nebeneinander erlaubt.

Für Lichtquellen beginnt die Umstellung erst am 1. September und endet am 1. März 2023. Grund für diese lange Übergangszeit sind die Produktvielfalt und die großen Lagerbestände. Schließlich ist auf jeder einzelnen Lampenverpackung ein Energielabel. Alle weiteren kennzeichnungspflichtigen Produktgruppen sollen bis spätestens 2030 umgestellt sein.

Haben sich die Information auf dem EU-Energielabel geändert? Gibt es auch hier Neuerungen?

Ja, nicht nur das Design hat sich ein wenig geändert, auch die Informationen auf dem Label wurden erweitert und angepasst. So findet man bei Waschmaschinen und Geschirrspülern Angaben zum Wasserverbrauch. Die Angabe des Energiebedarfs eines Gerätes bezieht sich nun nicht mehr wie bisher auf ein Jahr, sondern auf eine festgelegte Anzahl von Verwendungszyklen. Das ist sinnvoll, denn die Nutzung eines Gerätes hängt von der Gewohnheit der Nutzerinnen und Nutzer ab. Die einen waschen 100 Mal im Jahr, die anderen nur 50 Mal. Bei Waschmaschinen beispielsweise ist der Bezugspunkt 100 Waschzyklen. Die Angabe auf dem Label ist daher nun Kilowattstunden pro 100 Waschzyklen. Wichtig und neu ist auch der QR-Code oben rechts auf dem Label.

Das neue Energielabel

Die neue Energielabel App

Quelle: BMWi

Welche Informationen enthält der QR-Code?

Der QR-Code auf dem neuen EU-Energielabel leitet Verbraucherinnen und Verbraucher auf die europäische Produktdatenbank EPREL. EPREL ist die englische Kurzbezeichnung für European Product Database for Energy Labelling. In dieser elektronischen Datenbank sind alle energieverbrauchsrelevanten Produkte gespeichert, die seit August 2017 auf dem europäischen Markt sind. Dort erhalten Verbraucherinnen und Verbraucher energierelevante Informationen über das jeweilige Produkt, wie EU-Energielabel und Produktdatenblatt.

Wozu dient EPREL?

Die EU-Kommission hat die Datenbank EPREL zum 1. Januar 2019 ihre Mitgliedstaaten eingeführt. Bevor Lieferanten energieverbrauchsrelevante und kennzeichnungspflichtige Produkte auf den europäischen Markt bringen dürfen, müssen sie die erforderlichen Produktinformationen in EPREL hochladen. EPREL weist einen vertraulichen und einen öffentlichen Bereich auf. So erhalten die EU-Kommission und die Marktüberwachung im vertraulichen Bereich und Verbraucherinnen und Verbraucher im öffentlich zugänglichen Bereich der Datenbank einen Überblick über alle in Europa auf dem Markt befindlichen Geräte. Der öffentliche Bereich ist seit dem 1. März 2021 auf Englisch online. Die anderen Amtssprachen der EU sollen bald folgen.

EPREL schafft somit Transparenz und soll der neutralen Informationsdarstellung der wesentlichen Eigenschaften von Elektrogeräten dienen. Und zusätzlich ist EPREL die Datenbank, auf die unsere BAM-App für EU-Energielabel zugreift.

Wie kam es zur Entwicklung der BAM-App für EU-Energielabel und wo sie erhältlich?

Die BAM hat im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums für Deutschland eine mobile Applikation für das EU-Energielabel entwickelt. Die App soll helfen, die Sichtbarkeit der neuskalierten Energielabels in Deutschland zu erhöhen und die in EPREL gespeicherten Daten für die Marktüberwachung sowie für die Verbraucherinnen und Verbraucher elektronisch verfügbar zu machen. Unsere App ist am 1. März 2021 gestartet. Sie ist kostenlos in Google Play und Apple App Store auf Deutsch und Englisch erhältlich, unter dem Suchbegriff „Energielabel“. Darüber hinaus werden wir unsere App auch den anderen EU-Mitgliedstaaten für die Nachnutzung zur Verfügung stellen.

Energielabel App

Die neue Energielabel App

Quelle: BAM

Was leistet die BAM-App?

Mit Hilfe des QR-Scanners der App kann der QR-Code auf den neuen EU-Energielabels eingelesen werden. Im Ergebnis werden die Produktdaten aus der EPREL-Datenbank angezeigt. Das sind das Produktdatenblatt und das Energielabel.

Unter dem Menü-Punkt „Know-how“ finden die Nutzerinnen und Nutzer die Rubriken „Label-Lotse“, „Wieso gibt es ein neues Energielabel?“, „Glossar“ und „Verordnungen“. Je nach ausgewählter Produktgruppe informiert der Label-Lotse über das Energielabel und gibt Tipps und Entscheidungshilfen. In einer Merkliste können die ausgewählten Produkte abgespeichert und geteilt werden. So behalten die Verbraucherinnen und Verbraucher den Überblick beim Vergleich verschiedener Produkte.
Aber auch für die Marktüberwachungsbehörden ist unsere App gedacht: Im Menüpunkt „Verordnungen“ können alle Verordnungen für energieverbrauchsrelevante und damit kennzeichnungspflichten Produkte abgerufen werden.

Und um schließlich spielerisch für den sparsamen Umgang mit Energie zu sensibilisieren, haben wir ein „Energie-Quiz“ entwickelt, in den Varianten „Anfänger“ und „Fortgeschrittene“. Auch wenn jede und jeder Einzelne scheinbar nur einen geringen Einfluss auf das Einsparpotenzial hat: Die Summe an Einsparungen macht den Unterschied. Nach Schätzungen der EU-Kommission führen die beiden EU-Rechtsvorschriften Energieverbrauchskennzeichnung und Ökodesign bis 2030 zu Energieeinsparungen, die rund 230 Millionen Tonnen Rohöleinheiten entsprechen.

Energielabel App

Die neue Energielabel App

Quelle: BAM

Die neuen EU-Energielabel mit der App kennenlernen

iOS: Apple AppStore

Android: Google Play